Forschungszentrum Generationenverträge

der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg - Direktor: Prof. Dr. Raffelhüschen

Zufriedenheitsforschung

Zufriedenheitsforschung

Die Zufriedenheitsforschung hat sich in den letzten Jahren zu einem der produktivsten Forschungsbereiche der Volkswirtschaftslehre entwickelt. Die Zahl der Publikationen, die sich mit diesem Thema befassen, ist in den letzten Jahren rasant gewachsen. Doch auch in der aktuellen Politikberatung spielen die Erkenntnisse der Zufriedenheitsforschung eine immer größere Rolle. Das wird nicht zuletzt durch die im Jahr 2008 vom damaligen französischen Staatspräsident Jean Sarkozy ins Leben gerufene sog. Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission deutlich, in der mit Kenneth Arrow, Angus Deaton, Daniel Kahneman, Amartya Sen und Joseph Stiglitz gleich fünf Nobelpreisträger tätig waren. Auch die durch die 2010 vom Bundestag beschlossene Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität – Wege zu nachhaltigem Wirtschaften und gesellschaftlichen Fortschritt in der Sozialen Marktwirtschaft“ machen die zunehmende Bedeutung des Themengebietes deutlich. Dabei stand bei beiden Kommissionen vor allem die Frage im Vordergrund, ob das Bruttoinlandsprodukt (BIP) heutzutage noch das richtige Maß zur Messung von Wohlstand und sozialem Fortschritt einer Gesellschaft ist. Denn durch die Aufsummierung der in einem Land produzierten Güter und Dienstleistungen beschränkt sich das BIP auf das rein Materielle. Dass Lebensqualität aber nicht alleine von materiellen Dingen abhängt, zeigt sich sehr illustrativ bei einem Vergleich von Lebensglück und BIP: Obwohl das Pro-Kopf-Einkommen in den westlichen Industrienationen in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen ist, hat sich das Niveau der allgemeinen Lebenszufriedenheit kaum verändert (siehe nebenstehende Grafik für Deutschland). Dem amerikanischen Ökonomen Richard Easterlin fiel dieser Zusammenhang im Jahr 1974 zuerst auf. Das nach ihm benannte Easterlin-Paradoxon begründete die moderne Glücksökonomie.

Im Hinblick auf die Messung von Lebensqualität empfehlen die Mitglieder der Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission, das Lebensglück mehrdimensional zu bestimmen. Denn neben rein materiellen Dingen wie Einkommen und Konsum spielen für das individuelle Wohlbefinden auch zahlreiche nicht-materielle Dinge, wie etwa Gesundheit, Bildung, Arbeit, soziale Kontakte, aber auch die Einkommensverteilung, politische Teilhabe und die Umwelt eine entscheidende Rolle. Das FZG greift diese Empfehlung auf. Unser Ziel ist es, anhand empirischer Analysen den Einfluss von sozio-ökonomischen und politischen Faktoren auf die individuelle Lebenszufriedenheit zu untersuchen und daraus fundierte Politikempfehlungen abzuleiten.

Betreuende Mitarbeiter: Helena Lasic, René Petilliot

Publikationen aus dem Forschungsbereich Zufriedenheitsforschung